Jahresrückblick Kunstbüro Baden-Württemberg April 2009 – Mai 2010
Das Kunstbüro nahm die Arbeit am 1. April 2009 auf. Da ein vollständig eingerichtetes Büro in der Kunststiftung bereits vorhanden war, konnte mit der Arbeit unmittelbar begonnen werden.
Erstes Ziel war, das Kunstbüro durch Informationsmaterial der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dazu musste ein Design entworfen werden, das für das Kunstbüro stehen sollte und eine sofortige und immer wieder erkennbare Außenwirkung möglich machte. Für den graphischen Auftritt wurde das Büro Stapelberg und Fritz beauftragt, zwei junge Graphiker, die an der Stuttgarter Kunstakademie studiert hatten und die bereits vorher für die Kunststiftung vereinzelt tätig waren. Sie entwarfen einen Look, der die Formen des Kunststiftungs-Logo übernommen hat und dennoch sehr eigenständig funktioniert. Dieses Muster findet man seitdem auf jeder Einladungskarte.
Karin Hinterleitner, ehemalige Stipendiatin der Kunststiftung, erhielt den Auftrag zur Gestaltung der Kunstbüro-Homepage. Angepasst an die Kunststiftungshomepage entstand somit eine Seite, die sich dadurch auszeichnet, dass sie nicht nur über die aktuellen und vergangenen Veranstaltungen informiert, sondern ein Ausschreibungsverzeichnis mit Stipendien, Ausstellungen und Wettbewerben enthält. Ein regelmäßiger Newsletter informiert über die Veranstaltungen, aber auch über aktuelle Ausschreibungen.
Veranstaltungsprogramm:
Die erste Veranstaltung des Kunstbüros fand nach der Sommerpause statt.
Am 11. September 2009 wurde das Kunstbüro offiziell mit einem Vortrag von Dr. Joachim Blüher, Leiter der Villa Massimo in Rom, eröffnet. Er sprach über sein Haus und die Möglichkeiten, die ein solches Stipendium Künstlerinnen und Künstlern bietet. Damit leitete er das erste Quartalsthema ein, das das Programm des Kunstbüros bis Dezember bestimmen sollte. Passend zum Start des Büros widmeten wir uns inhaltlich den Anfangsproblemen, denen Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Selbständigkeit begegnen. Fünf Workshops wurden im Herbst 2009 angeboten:
24. Oktober 2010: „Bewerbungen und Juryabläufe“
Andreas Koch, Künstler und Grafiker und ehemaliger Stipendiat der Kunststiftung BW, erläuterte die notwendigen Inhalte einer Bewerbungsmappe und stellte dar, wie diese gestaltet sein sollte, um bei den jeweiligen Jurys zu überzeugen.
Da die Nachfrage nach diesem Workshop sehr groß war, wurde er am 4. Februar 2010 in Karlsruhe wiederholt.
5. November 2010: „Der Künstler und die Steuer“
Der Workshop, der von der gesamten Steuerkanzlei Kälberer durchgeführt wurde, gab äußerst klare und pragmatische Hilfestellungen für das Verständnis des Steuersystems und der Ausführung der eigenen Steuererklärung.
6. November 2010: „Soziale Absicherung für Künstler. Die Künstlersozialkasse“
Gerhard Suhrenbrock, Leiter des versicherungsrechtlichen Fachdezernats der Künstlersozialkasse, erklärte die Möglichkeiten der Künstlersozialversicherung und die Stolperfallen, die einem möglicherweise dort begegnen. (Gerhard Suhrenbrock ist seitdem Ansprechpartner des Kunstbüros für diverse Fragen bzgl. der Künstlersozialkasse.)
4. und 5. Dezember 2010: „Künstler/innen und Verträge über ihre Kunstwerke“ und „Das Kunstwerk und das Urheberrecht“
Die beiden Workshops wurden von Kerstin Verena Lange gehalten, die sich diesem Thema bereits in einer Publikation zugewandt hatte. Sie behandelten alle rechtlichen Bereiche, die mit der Schaffung eines Kunstwerks entstehen.
Im Frühjahr 2010 entstand eine Kooperationsreihe mit den Stuttgarter Nachrichten, die im Rahmen der Reihe „Über Kunst“ immer wieder internationale Gäste zum Gespräch einladen. Das Kunstbüro stellte den jeweiligen Gesprächen einen Vortrag voraus.
Eingeladen waren: 12. Januar 2010: Ute Meta Bauer, die einen Vortrag über das Art, Culture, Technology-Programm des Massachusetts Institut of Technology hielt.
Außerdem entstand aus dieser Kooperation heraus ein Vortragsabend mit Nicolaus Schafhausen, mit dem Titel „Kuratieren und Handlungskompetenz“ am 13. April 2010.
Von diesen SonderVeranstaltungen abgesehen, widmete sich das Kunstbüro programmatisch dem Thema „Vermarktung von Künstlerinnen und Künstlerin im Internet“.
Eingeleitet wurde dieses Themengebiet mit einem Vortrag am 25. Februar 2010 von Moritz Sauer, der über die „Erfolgreiche Selbstvermarktung“ im Internet berichtete. Der Vortrag war eine Kooperation mit dem VBKW – Verband Bildender Künstler Württemberg.
Es folgten zwei Workshops am 16. und 17. März 2010, der – geleitet von Thorsten Belzer – den Teilnehmern ermöglichte, innerhalb von zwei Tagen, eine eigene Webseite aufzubauen. Außerdem fand am 14. April 2010 ein Workshop von Bettina Backes statt, die unter dem Titel „Web 2.0 – Wikis, Blogs, File-Sharing und Social Media“ über die rechtliche Situation im Internet aufklärte.
Das Thema der Vermarktung konnte außerdem in einer Kooperationsveranstaltung mit der Freien Kunstakademie Nürtingen und dem Galerienhaus Stuttgart aufgenommen werden. In einer Podiumsdiskussion diskutierten am 23. April 2010 Peter Zorn, Koordinator des European Media Art Network, Aline Helmcke, Medienkünstlerin aus Berlin, Pia Maria Martin, Videokünstlerin aus Stuttgart und Jörg Walz, Galerist der Stuttgarter Galerie 14-1, über die Vermarktungsproblematik im Bereich künstlerischer Film und Medienkunst. Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass wir uns entschieden haben, dieses Thema mit weiteren Kooperationspartnern im November 2010 wieder aufzugreifen.
Die größte Veranstaltung fand im Juni 2010 statt. An zwei Tagen – 25. und 26. Juni 2010 – wurde in der Galerie ABTART in Stuttgart Möhringen, innerhalb eines Symposiums, über die „Kunst zu fördern“ diskutiert. Namhafte Referenten gaben aus verschiedenen Gesichtspunkten Einblicke in die Kunstförderlandschaft. Ziel war die Vernetzung privater Stifter und öffentlicher Institutionen, um über eine aktuelle und sinnvolle Künstlerförderung zu diskutieren. Es sprachen:
Prof. Jean Baptiste Joly, Christoph Tannert, Dr. Stephan Schmidt-Wulffen, Dr. Thomas Knubben, Hagen Betzwieser und Prof. Georg Winter. Die Veranstaltung war eine Kooperation der Karin-Abt-Straubinger-Stiftung, der Kunststiftung und des Kunstbüros und soll im nächsten Jahr eventuell eine Fortführung finden.
In den Sommer leitete eine Gesprächsreihe des Kunstbüros ein. Unter dem Titel „Gartengespräche“ wurden am 19. Mai, 14. Juni und 8. Juli 2010, Künstler, Kuratoren und Galeristen zu einem informellen Gespräch in den Garten der Kunststiftung eingeladen. Diskutiert wurde über die Aufgaben und Ziele der jeweiligen Gäste, aber auch über allgemeine Themen aus Kunst und Kultur. Eingeladen waren: Silke März, Galerie Artary, Stuttgart; Simone Jung, Museum Biedermann, Donaueschingen und Axel Anklam und Stefan Rohrer, Künstler aus Stuttgart und Berlin.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass alle Veranstaltungen des Kunstbüros sehr gut besucht waren. Die Kombination aus Workshops, großen Vortragsreihen aber auch kleineren Gesprächsrunden scheint eine sinnvolle Mischung darzustellen, mit der bisher sehr verschiedene Personen-Gruppen erreicht werden konnten. (Nach allen Workshops werden Evaluationsbögen verteilt, in denen die jeweilige Veranstaltung von den Teilnehmern nach Noten beurteilt wird. Dies soll bei der späteren Evaluierung helfen.)
Ebenfalls sehr gut angenommen wird die Möglichkeit einer persönlichen Beratung. Im Zeitraum von April 2009 bis Juni 2010 waren ca. 70 Künstlerinnen und Künstler im Haus.
Zunehmend sind die Einreichungen von unterschiedlichen künstlerischen Projekt-Vorhaben. Viele Künstlerinnen und Künstler schicken ihre Konzepte, mit der Bitte um Durchsicht und Feedback.
Ebenfalls äußerst zufrieden stellend sind die Anmeldungen für den Newsletter von Kunstbüro und Kunststiftung. In diesem Bereich konnten sehr viele Kunstinteressierte akquiriert werden.
Dank zusätzlichen Finanzmitteln des Landes Baden-Württemberg ist und war es möglich, weitere Veranstaltungen durchzuführen und ein dezentrales Programm in verschiedenen baden-württembergischen Städten anzuregen. Da dies nur mit Hilfe von Kooperationspartnern vor Ort möglich ist, ist der organisatorische Aufwand recht hoch, weshalb die meisten Veranstaltungen erst im Herbst 2010 anlaufen.
Geplant sind Vorträge und Workshops in Freiburg und Karlsruhe. Außerdem soll unter dem Titel „Außerhalb“ ein Projekt mit verschiedenen freien, nichtkommerziellen Kunsträumen im ganzen Land durchgeführt werden. Diesbezüglich sind Ausstellungen in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Heidelberg, Freiburg und Heilbronn geplant.