{"id":139,"date":"2022-04-29T15:16:24","date_gmt":"2022-04-29T13:16:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/?post_type=material&#038;p=139"},"modified":"2023-03-01T10:07:51","modified_gmt":"2023-03-01T09:07:51","slug":"8-fragen-anthomas-georg-blank","status":"publish","type":"material","link":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/material\/8-fragen-anthomas-georg-blank\/","title":{"rendered":"8 FRAGEN AN THOMAS GEORG BLANK"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns p-outer is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1250aeed wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:700;text-transform:capitalize\" class=\"wp-block-post-title has-xlarge-font-size\">8 FRAGEN AN THOMAS GEORG BLANK<\/h1>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Georg Blank (*1990) lebt und arbeitet in Los Angeles und Darmstadt. 2020\/21 war er Mentee im Pilot-Jahrgang des Kunstb\u00fcro Mentoring. Thomas Georg Blank wurde zun\u00e4chst in Kultur- und Medienp\u00e4dagogik ausgebildet, bevor er in Karlsruhe und Mexiko-Stadt Kunst studierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seinen k\u00fcnstlerischen Projekten, die zwischen Forschung und spekulativen Interpretationen oszillieren, untersucht Blank, wie r\u00e4umliche und gewohnheitsm\u00e4\u00dfige Darstellungen individueller und kollektiver Imagination die Welt, in der wir leben, beeinflussen und umgekehrt. Indem er multidirektionale, r\u00e4umliche Erz\u00e4hlungen schafft, bietet er den Betrachter:innen einen Rahmen f\u00fcr Rekonfiguration und Perspektivenwechsel.<br>Seine Werke und performativen Interventionen waren in zahlreichen Ausstellungen vertreten, u. a. im HeK Basel, im Historischen Museum Frankfurt, in der Kunsthalle Darmstadt, bei Blue Star Contemporary und C\/O Berlin. Seine Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, 2018\/19 war er DAAD-Stipendiat am Center for Human Imagination der University of California San Diego.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.thomasgeorgblank.de\" target=\"_blank\">www.thomasgeorgblank.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Du hast dein Studium 2019 an der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Karlsruhe abgeschlossen. Welches waren deine ersten Schritte in die professionelle k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang war flie\u00dfend. Ich habe versucht, so fr\u00fch wie m\u00f6glich w\u00e4hrend des Studiums regelm\u00e4\u00dfig an Ausstellungen teilzunehmen und diese auch zu organisieren \u2013 unter anderem auch im Wohnzimmer unserer WG. Mein letztes Semester in Karlsruhe habe ich dann tats\u00e4chlich eher au\u00dferhalb der Akademie verbracht, weil ich parallel zu meiner Diplompr\u00fcfung ein Kunstfestival in Darmstadt organisiert habe. Alle Kontakte und Erfahrungen, die so im Laufe der Zeit zusammengekommen sind, konnte ich in ein Netzwerk \u00fcberf\u00fchren. Dieses Netzwerk ist jetzt enorm wichtig ist f\u00fcr meine Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Welche Stipendien, Preise und anderen F\u00f6rderungen hast du bisher erhalten? Inwiefern haben dich diese Programme bei der Weiterentwicklung deiner Arbeit unterst\u00fctzt? Und welche Formen der K\u00fcnstler:innen-F\u00f6rderung w\u00fcrdest du dir dar\u00fcber hinaus w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stipendien haben mir meine Auslandsaufenthalte finanziert. Das Baden-W\u00fcrttemberg-Stipendium hat meine Zeit in Mexiko-Stadt erm\u00f6glicht und der DAAD meinen Aufenthalt in San Diego. Diese Zeit im Ausland hat schlie\u00dflich dazu gef\u00fchrt, dass ich nun in Deutschland und Kalifornien lebe und arbeite. Die Stipendien waren f\u00fcr mich also extrem wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der f\u00fcr mich nachhaltig pr\u00e4gendste Preis war der F\u00f6rderpreis der Darmst\u00e4dter Sezession. Mit der Auszeichnung war die Aufnahme in die K\u00fcnstlervereinigung verbunden. Seitdem bin ich dort sehr aktiv, seit einiger Zeit auch im Vorstand. Durch die Sezession stehe ich im Austausch mit etlichen Kolleg:innen, die zum Teil einer anderen Generationen angeh\u00f6ren und oft auch mit v\u00f6llig anderen Medien arbeiten. Dieser Austausch ist f\u00fcr mich enorm wichtig, weil ich durch die Auseinandersetzung mit anderen Positionen stets etwas \u00fcber meine eigene k\u00fcnstlerische Haltung lerne. F\u00fcr die Produktion verschiedener Arbeiten war der &#8222;Interdisziplin\u00e4re F\u00f6rdertopf Kunst, Wissenschaft und Technologie&#8220; der Stadt Karlsruhe wichtig. Insgesamt w\u00fcrde ich mir f\u00fcr jegliche F\u00f6rderung w\u00fcnschen, dass sie in irgendeiner Form nachhaltig angelegt ist und neben der rein finanziellen Unterst\u00fctzung dabei hilft, das eigene Netzwerk zu erweitern und die eigene Praxis immer wieder auf den Pr\u00fcfstand zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><strong>3. Welche Strukturen sind f\u00fcr dich wichtig, um deine k\u00fcnstlerische Praxis voranzubringen? Wie organisierst du dich?<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich versuche mir f\u00fcr bestimmte Arbeiten bestimmte Zeitr\u00e4ume im Tagesablauf zu reservieren und dabei auch konsequent zu bleiben, weil ich st\u00e4ndig zwischen verschiedenen Rollen hin- und herspringe. Der Vormittag ist deshalb fast immer B\u00fcrozeit, das hei\u00dft Kommunikation, Abrechnungen, Bewerbungen und Projektantr\u00e4ge schreiben, Ausschreibungen recherchieren und Materialien f\u00fcr Ausstellungen vor- bzw. nachbereiten. Insbesondere die Recherche von Ausschreibungen und das Verfassen von Bewerbungen frisst wahnsinnig viel Zeit. Die Werkzeuge meiner Wahl dabei sind To-Do-Listen und strikte Ordnerstrukturen \u2013 einfach aber effektiv. Kleine Zettel haben f\u00fcr mich immer gut funktioniert und wohl sortierte Ordner machen das Leben einfacher. Die B\u00fcrozeit ist f\u00fcr mich deshalb so wichtig, weil ich dann sp\u00e4ter den Kopf frei habe f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Arbeit. Und um neue Werke zu entwickeln, muss mein Kopf so leicht wie m\u00f6glich sein. Ansonsten komme ich nicht an jene Orte in meinem eigenen Denken und F\u00fchlen, die f\u00fcr mich interessant sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. K\u00fcnstler:innen sind heute nicht mehr nur f\u00fcr ihre Arbeit im engeren Sinne verantwortlich sondern dar\u00fcber hinaus auch f\u00fcr Bedeutungsproduktion, Selbstinszenierung, Vermittlung und Vermarktung der eigenen Arbeit. Hast du den Eindruck, dass K\u00fcnstler:innen heute oder in Zukunft mit anderen Kompetenzen ausgestattet sein m\u00fcssen als vor zehn, zwanzig Jahren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Kompetenzen waren f\u00fcr K\u00fcnstler:innen schon immer wichtig. Sie wurden lediglich nie gro\u00df thematisiert weil die klassische Erfolgsgeschichte sich auf die wenigen Biografien konzentriert, die schon sehr fr\u00fch Personen um sich versammeln konnten, welche diese T\u00e4tigkeiten f\u00fcr sie \u00fcbernommen haben. Oder es wurde schlicht ausgeblendet, weil das alles nicht so romantisch und aufregend klingt. Leider spiegelt sich dies auch immer noch in der aktuellen k\u00fcnstlerischen Ausbildung wider. Zu kaum einem Zeitpunkt wird in Kunstakademien dar\u00fcber gesprochen, wer, wie, wann, wo und warum im Kunstbetrieb sichtbar ist, welche Verwertungsmechanismen dahinter stecken, welche Gelder woher und wohin flie\u00dfen, wie man die eigene Position besser kommunizieren kann und geschweige denn in Kontakt mit Galerien oder Institutionen kommt. Da herrscht gro\u00dfe Stille. Dass diese Kompetenzen langsam sichtbarer werden, ist glaube ich Einrichtungen wie dem Kunstb\u00fcro oder den Berufsverb\u00e4nden zu verdanken, die sowohl f\u00fcr angehende K\u00fcnstler*innen als auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ein realistischeres Bild des Berufs zeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Wie erlebst du die Arbeits- und Rahmenbedingungen des Kunstbetriebs, insbesondere im Kontext der aktuellen Krise?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeitsbedingungen sind v\u00f6llig desastr\u00f6s. Und das sage ich als jemand, der Zugang zum F\u00f6rdersystem in Deutschland hat, welches im internationalen Vergleich hohe F\u00f6rdersummen an K\u00fcnstler:innen aussch\u00fcttet und wo es die K\u00fcnstlersozialkasse und Verwertungsgesellschaften gibt. Das Problem besteht allerdings auch hier der st\u00e4ndigen Planungsunsicherheit, die auf Dauer zerm\u00fcrbend ist. Als K\u00fcnstler:in kannst du nie sicher damit rechnen, dass eine Bewerbung erfolgreich ist oder eine F\u00f6rderung ausgesch\u00fcttet wird. Und man muss es sich leisten k\u00f6nnen, einen finanziellen Puffer zu haben, der bei Durststrecken angezapft werden kann. Altersvorsorge ist f\u00fcr die meisten K\u00fcnstler:innen faktisch unm\u00f6glich. Ich hoffe sehr, dass in den kommenden Jahren das Thema Ausstellungsverg\u00fctung verst\u00e4rkt in den Fokus r\u00fccken wird. Das w\u00fcrde zumindest einen Teil der Probleme l\u00f6sen. Was die aktuelle Krise definitiv verbessert hat, ist die Erwartungshaltung an K\u00fcnstler*innen, hochgradig mobil zu sein. Nat\u00fcrlich ist es aufregend, f\u00fcr Ausstellungen, Vortr\u00e4ge oder Residenzen zu reisen. Vor der Pandemie bestand dabei aber aus meiner Sicht ein gewisser Zwang und wer nicht konnte oder wollte, ging oft leer aus. Das momentane Verharren an einem Ort erscheint mir insofern sogar erholsam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Derzeit bist du als Mentee am Pilot-Jahrgang des \u00bbKunstb\u00fcro Mentoring\u00ab beteiligt. Was ist deine Motivation f\u00fcr die Teilnahme an dem Programm?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Austausch. F\u00fcr mich ist es wahnsinnig wichtig, regelm\u00e4\u00dfig aus meinem eigenen Kopf und meinen eigenen Gedanken herauszukommen. Und die beste Art daf\u00fcr ist f\u00fcr mich das Gespr\u00e4ch mit einer anderen Person. Ein Gespr\u00e4ch bzw. einen Dialog \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum mit einem K\u00fcnstler zu f\u00fchren, dessen Haltung und Werk ich unheimlich sch\u00e4tze, erschien mir ein sehr gutes Konzept.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7. Wie sieht die Zusammenarbeit bzw. der Dialog mit deinem Mentor Georg Winter konkret aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir tauschen uns regelm\u00e4\u00dfig per Videotelefonat aus. Unsere Themen variieren, wir sprechen \u00fcber alle m\u00f6glichen Dinge, was mir gro\u00dfe Freude macht und besagten Effekt hat: ich komme aus meinem eigenen Kopf heraus. Georgs Perspektiven auf Kunst und Welt sind erhellend, kritisch und oft auch sehr unterhaltsam. Er ist ein sehr humorvoller Mensch und wir teilen bestimmte biografische Erfahrungen mit katholischen Ritualen im l\u00e4ndlichen Raum, die uns glaube ich beide stark gepr\u00e4gt haben. Wir haben au\u00dferdem das Experiment gewagt, mich aus Kalifornien zu einem Seminar an der HBK Saar hinzuzuschalten. Der Austausch mit den Studierenden war extrem spannend f\u00fcr mich und vielleicht wiederholen wir das zu gegebener Zeit noch einmal. Wir sind au\u00dferdem daran interessiert, gemeinsam Ausstellungen und Orte wie etwa das Gie\u00dfkannenmuseum in Gie\u00dfen zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8. Deine medien\u00fcbergreifenden k\u00fcnstlerischen Projekte bewegen sich zwischen Forschung und spekulativen Interpretationen gesellschaftlicher Realit\u00e4ten im digitalen Zeitalter. Woran arbeitest du aktuell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derzeit versuche ich mit meiner Partnerin I\u015f\u0131k Kaya hier in Los Angeles Algen zu z\u00fcchten, um sie als lichtempfindliches Material f\u00fcr fotografische Installationen zu nutzen. Das ist der Beginn unserer Auseinandersetzung mit Wasser in Los Angeles. Wir wollen sowohl den Hafen in den Blick nehmen als auch die Versorgung mit Trinkwasser. Bis es da etwas zu sehen gibt, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Etwas schneller wird es mit unserer ersten Buchpublikation &#8222;Second Nature&#8220; gehen, die im Fr\u00fchjahr 2022 beim Kehrer Verlag in Heidelberg erscheinen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Januar 2022)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-colored-bg-pastel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"718\" height=\"720\" src=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-171\" srcset=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15.png 718w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15-200x200.png 200w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15-150x150.png 150w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15-640x642.png 640w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/image-15-320x321.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":171,"template":"","materialtype":[40],"class_list":["post-139","material","type-material","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","materialtype-interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material\/139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/material"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"materialtype","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/materialtype?post=139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}