{"id":2530,"date":"2023-01-24T10:46:06","date_gmt":"2023-01-24T09:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/?post_type=material&#038;p=2530"},"modified":"2023-02-28T13:18:29","modified_gmt":"2023-02-28T12:18:29","slug":"8-fragen-an-myriam-holme","status":"publish","type":"material","link":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/material\/8-fragen-an-myriam-holme\/","title":{"rendered":"8 FRAGEN AN MYRIAM HOLME"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns p-outer is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1250aeed wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:700;text-transform:capitalize\" class=\"wp-block-post-title has-xlarge-font-size\">8 FRAGEN AN MYRIAM HOLME<\/h1>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Myriam Holme (*1971) lebt und arbeitet in Mannheim. Aktuell ist sie als Mentorin am Kunstb\u00fcro Mentoring beteiligt. Sie studierte Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Karlsruhe bei Meuser und Andreas Slominski.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihrer k\u00fcnstlerischen Arbeit agiert Holme als Grenzg\u00e4ngerin zwischen Malerei, Bildhauerei und Installation. Ihr erweiterter Malereibegriff basiert auf dem Experimentellen und Prozessualen, wobei beides ausgehend vom Material zu betrachten ist. So entsteht eine Malerei, die als expansiv und unabgeschlossen gedacht werden kann und sich nicht in Bestehendes einrichtet, sondern fortw\u00e4hrend in Bewegung bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Myriam Holme ist bereits vielfach ausgezeichnet worden, ihre Arbeiten sind national und international in Ausstellungen vertreten. Seit 2008 hatte sie zahlreiche Gastprofessuren und Lehrauftr\u00e4ge inne. Gemeinsam mit Philipp Morlock gr\u00fcndete und betreibt sie das Einraumhaus c\/o und ist Mitinitiatorin des 2020 entstandenen neuen Kunstortes barac \u2013 Kunst\/Labor\/Soziales in Mannheim Franklin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/www.myriamholme.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.myriamholme.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Du hast dein Studium an 2002 der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste in Karlsruhe abgeschlossen. Welches waren deine ersten Schritte in die professionelle k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Professionalit\u00e4t findet letztendlich ihren Anfang im Kreis der Kommiliton:innen und K\u00fcnstlerfreundschaften, die sich w\u00e4hrend des Studiums finden. Das ist ein allzu oft untersch\u00e4tztes Gut auf dem Weg zur Professionalisierung und dar\u00fcber hinaus. Ich hatte nach dem Studium das Gl\u00fcck, gleich in den Kontext einer kleinen aufstrebenden Galerie eingebunden zu werden. Sowohl die Galerie als auch die anderen K\u00fcnstlerinnen der Galerie standen ganz am Anfang, so dass man miteinander langsam und behutsam aber doch voller Energie etwas gemeinsam aufbauen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Welche Stipendien, Preise und anderen F\u00f6rderungen hast du zu Beginn deiner Karriere erhalten und inwiefern haben dich diese Programme bei der Weiterentwicklung deiner Arbeit unterst\u00fctzt? Welche Formen der K\u00fcnstler:innen-F\u00f6rderung w\u00fcrdest du dir dar\u00fcber hinaus w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine fr\u00fche Anerkennung, direkt zum Ende meines Meistersch\u00fcler-Jahres war die Aufnahme in die damals noch aktive Columbus Art Foundation. Die F\u00f6rderung bestand im Ankauf von Arbeiten aber eben auch in einer Ausstellungm\u00f6glichkeit und der Produktion eines kleinen Katalogs. Das war in dieser Kombination zum Ende des Studiums eine wirklich sinnvolle F\u00f6rderung. Zumal der damalige Kurator J\u00f6rg van den Berg eine enge Verkn\u00fcpfung zwischen den Gef\u00f6rderten aufbaute, so dass das Vernetzen auf einer leichten und freundschaftlichen Ebene funktionierte und es zu zahlreichen Folgeausstellungen kam. J\u00f6rg van den Berg begleitet mich und meine Arbeit bis heute \u2013 derzeit ist er Direktor des Museums Morsbroich.<br>Ich denke, eine nachhaltige F\u00f6rderung sollte sich heutzutage stark auf das Vernetzen beziehen. Ein Auslandsjahr in Paris oder Rom kann man auch noch sp\u00e4ter machen, wenn die Arbeit etwas gereift ist und man sich verortet hat. Das Schwierigste ist das Verorten nach dem Studium, daf\u00fcr sollte es Gr\u00fcnde geben. Hier w\u00fcrde ich bei F\u00f6rderungen ansetzen \u2013 diese sollten K\u00fcnstler:innen zu Beginn ihrer Laufbahn unterst\u00fctzen, eine Struktur zu finden \u2013 das ist mit einem drei monatigen Aufenthaltsstipendium nicht gewonnen. Au\u00dferdem halte ich F\u00f6rderungen f\u00fcr sinnvoll, die helfen, die k\u00fcnstlerische Produktion zu unterst\u00fctzen, auch au\u00dferhalb des sicheren Rahmens der Akademien mit ihren Werkst\u00e4tten, digitalen M\u00f6glichkeiten etc.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Welche Strukturen sind f\u00fcr dich wichtig, um deine k\u00fcnstlerische Praxis voranzubringen? Wie organisierst du dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist so kaum mehr zu beantworten. Die k\u00fcnstlerische Praxis kommt im Tun voran, wobei das Tun eben auch die Strukturen rechts und links sind. Schauen. Lesen. Auseinandersetzen. Das t\u00e4gliche damit Auseinandersetzen, im Atelier, im B\u00fcro, au\u00dferhalb des Ateliers. Die k\u00fcnstlerische Praxis als Haltung verstehend.<br>Eine klare Struktur ist das T\u00e4gliche und die Tatsache, dass ich, wenn ich gerne gleich fr\u00fch morgens ins Atelier gehe, vorher m\u00f6glichst wenig Kontakt mit der &#8222;Welt&#8220; hatte. Also nicht im Sinne von keine Zeitung lesen, sondern im Sinne von m\u00f6glichst keine Telefonate oder zu viel Sprechen. Das Trennen von Arbeit im Atelier und Verwaltung\/Organisation macht durchaus Sinn.<br>Ein Schreibtisch-\/Computer-Tag und dann wieder reine Atelier-Tage. Rahmenbedingungen sind also: starke Konzentration, die auch im Garten beginnen kann, beim Ernten oder Pflanzen, aber inwendig sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Wie erlebst du die Arbeits- und Rahmenbedingungen des Kunstbetriebs, insbesondere im Kontext der aktuellen Krisen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Coronakrise war ein herber Schlag f\u00fcr den Kunstbetrieb, auch wenn die F\u00f6rdergelder flossen, was in meinen Augen manchmal gar nicht so produktiv war, denn Krisen sind ja auch Chancen zu \u00fcberpr\u00fcfen und den Blick zu wenden. Sich der \u00e4u\u00dferst privilegierten aber eben auch sensiblen Situation des K\u00fcnstler:innen-Daseins bewusst zu werden, ist immer wieder auch einen Moment des Nachdenkens wert, eine Chance, ein \u00dcberpr\u00fcfen eben. Aber nun sind die Krisen andere und die globalen Krisen stellen die Kunst nicht nur faktisch vor neue Fragestellungen sondern eben auch inhaltlich. Noch ist \u00fcberall Verunsicherung und ein seltsames ,weiter wie bisher&#8216; zu sp\u00fcren, aber eben auch gleichsam die Ruhe vor dem Sturm. Meines Erachtens befinden wir uns an einem sehr spannenden, vielleicht auch grundlegenden Punkt der Neuerfindung oder der Splittung des Kunstbetriebs. Splittung in dem Sinne, dass es vielleicht unterschiedliche parallele Wege bzw. Welten der Kunst in den n\u00e4chsten Jahren geben k\u00f6nnte \u2013 vielleicht, um mit Wolfgang Ullrich zu sprechen, eben die autonome und die postautonome Kunst. Das Kollektiv und den Einzelnen, die nachhaltige Kunstwelt, die sich ,k\u00fcmmernde&#8216; und die luxuri\u00f6se, verschwenderische. Ich wei\u00df es nicht, auf jeden Fall sind Krisen immer auch Chancen und auf jeden Fall muss man sich nun bewegen \u2013 k\u00f6rperlich wie geistig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Neben deiner eigenen Praxis betreibst du seit \u00fcber 10 Jahren in Mannheim gemeinsam mit Philipp Morlock das Einraumhaus c\/o, das sich als Ausstellungsort im \u00f6ffentlichen Raum inzwischen fest etabliert hat. 2020 hast du den Kunstort barac \u2013 Kunst\/Labor\/Soziales in Mannheim Franklin mitinitiiert, mit dem ihr u. a. Atelierr\u00e4ume und Infrastruktur bereitstellt sowie Stipendien erm\u00f6glicht.<br>Wie kam es zur Gr\u00fcndung dieser selbstorganisierten R\u00e4ume \u2013 resultierten diese jeweils aus einer ,L\u00fccke im System&#8216;? Und welchen Stellenwert nimmt diese kuratorische\/programmatische Praxis f\u00fcr dich neben deiner k\u00fcnstlerischen Arbeit ein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einraumhaus c\/o und alles, was sich seither aus diesem ersten Projekt in Mannheim entwickelte (barac \u2013 Kunst\/Labor\/Soziales, The Golden Village etc.) begann tats\u00e4chlich aus einer Not und einem Wunsch heraus. Der Not, in der Peripherie gelandet zu sein und dem Wunsch, dennoch am Diskurs der zeitgen\u00f6ssischen Kunst teilzunehmen. Anfangs nur auf eine kurze Zeit angelegt und Dank sich \u00e4ndernder Strukturen der Kulturpolitik in Mannheim langfristig m\u00f6glich gemacht, war bald klar, dass auf diese Weise in der Nicht-Kunst-Hauptstadt Mannheim wirklich etwas zu bewegen ist, was Strahlkraft haben k\u00f6nnte. Nun sind es bald 15 Jahre und vieles ist aus dem Konzept Einraumhaus c\/o entstanden, diese k\u00fcnstlerische Praxis steht gleichberechtigt neben meiner Arbeit im Atelier. Ich verstehe das eine ebenso als k\u00fcnstlerische Haltung wie das andere und m\u00f6chte keine Praxis missen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Aktuell bist du als Mentorin am Kunstbu\u0308ro Mentoring beteiligt. Worin liegt f\u00fcr dich die besondere Qualit\u00e4t eines solchen Programms?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeit nach dem Studium ist eine besonders sensible Zeit. Im Elfenbeinturm der Akademie war man t\u00e4glich von Gleichgesinnten und viel Verst\u00e4ndnis umgeben, man wurde ernst genommen und fand sich dar\u00fcber hinaus in der grandiosen Situation eines warmen Ateliers mit Werkst\u00e4tten.<br>Nach dem Studium wird man ausgespuckt und die vielen Fragen und M\u00f6glichkeiten beginnen. Hier setzt das Mentorinnen-Programm des Kunstb\u00fcros an. Die Exklusivit\u00e4t, dass ein\/e etwas erfahrene\/r und etablierte\/r K\u00fcnstler:in einen ,an die Hand&#8216; nimmt, sich intensiv mit der eigenen Arbeit auseinandersetzt kann Mut machen und eine wichtige Hilfestellung bei der eigenen Verortung sein.<br>Das Programm kann aber eben auch bei ganz anderen Thematiken hilfreich sein, die in dieser Phase auf einen zurollen: KSK, Alltagsorganisation, Positionierung im Kunstfeld, F\u00f6rdergelder, Selbstpr\u00e4sentation, Vernetzung mit Kuratorinnen und anderen Akteurinnen der Kunst, Wahrnehmung von au\u00dfen etc. Bestenfalls befruchtet man sich gegenseitig, denn das einzige, was die Mentor:innen den Mentees voraus haben, ist ein Rucksack voller Erfahrungen mit dem Kunstsystem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7. Was interessiert dich an deiner Rolle als Mentorin und wie sieht deine Zusammenarbeit mit Lennart Cleemann im Rahmen des Programms konkret aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der vielen Gastprofessuren wurde mir klar, wie sinnvoll aber auch wie hilfreich f\u00fcr mich das Weitergeben von Erfahrungen ist. Es ist eine Aufgabe, die mir viel bedeutet und mich auch vieles lehrt. Lennart und ich treffen uns bisher alle zwei Monate, schauen gemeinsam Ausstellungen an, reden \u00fcber seine Arbeiten, seine Pl\u00e4ne und Ideen. Es kommt aber auch ganz Praktisches zur Sprache, Dinge wie: &#8222;Ich habe ein Portfolio gemacht, was meinst Du dazu?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8. Deine k\u00fcnstlerische Praxis l\u00e4sst sich als ,erweiterte Malerei&#8216; beschreiben, in der das Material Ausgangspunkt f\u00fcr eine experimentelle und prozessuale Bewegung in den Raum hinein ist. Woran arbeitest du aktuell?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aktuell? Letztendlich arbeitet man immer einfach weiter und weiter und weiter. Aus jedem Schritt erfolgt die n\u00e4chste Frage und die n\u00e4chste Suche. Eine Ausstellung in der St\u00e4dtischen Galerie Rastatt steht bevor, aber das ist eben nur ein Punkt in der Stringenz der Linie. Aktuell ist immer das Tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(November 2022)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-colored-bg-pastel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"998\" height=\"1090\" src=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2537\" srcset=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie.png 998w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie-938x1024.png 938w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie-183x200.png 183w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie-768x839.png 768w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie-640x699.png 640w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/unknown-7-kopie-320x349.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 998px) 100vw, 998px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Miriam Stanke<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":2539,"template":"","materialtype":[40],"class_list":["post-2530","material","type-material","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","materialtype-interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material\/2530","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/material"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2530"}],"wp:term":[{"taxonomy":"materialtype","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/materialtype?post=2530"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}