{"id":4024,"date":"2023-06-27T16:37:33","date_gmt":"2023-06-27T14:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/?post_type=material&#038;p=4024"},"modified":"2023-06-29T12:13:54","modified_gmt":"2023-06-29T10:13:54","slug":"8-fragen-an-sophia-pompery","status":"publish","type":"material","link":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/material\/8-fragen-an-sophia-pompery\/","title":{"rendered":"8 FRAGEN AN SOPHIA POMP\u00c9RY"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns p-outer is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1250aeed wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:700;text-transform:capitalize\" class=\"wp-block-post-title has-xlarge-font-size\">8 FRAGEN AN SOPHIA POMP\u00c9RY<\/h1>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In ihren Arbeiten lenkt Sophia Pomp\u00e9ry den Blick auf scheinbar Allt\u00e4gliches und macht das Besondere sichtbar. Die Kerzenflamme, die keinen Schatten wirft; das auf Dielen aufgetragene Wasser, das die Form eines Fensters widerspiegelt; zwei Popcornflocken, die gleichf\u00f6rmig zu sein scheinen. Ihr konzeptionelles Werk bewegt sich zwischen Installation, Fotografie und Video.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sophia Pomp\u00e9ry wurde vielfach ausgezeichnet, ihre Arbeiten werden national und international pr\u00e4sentiert. Neben ihrer k\u00fcnstlerischen T\u00e4tigkeit ist sie in mehreren Kulturnetzwerken aktiv und leitet seit 2017 das Zentrum f\u00fcr Absolvent:innen der Weissensee Kunsthochschule Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www. sophiapompery.de\" target=\"_blank\">www.sophiapompery.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Du hast bei Karin Sander Bildhauerei an der Weissensee Kunsthochschule Berlin studiert und warst bis 2011 Teilnehmerin am Institut f\u00fcr Raumexperimente bei Olafur Eliasson an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin. Welches waren deine ersten Schritte in die professionelle k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang von der Hochschule in den Beruf war bei mir ein flie\u00dfender. Ich organisierte ein studentisches Seminar, \u201eStudio Berlin\u201d, in dem wir K\u00fcnstler:innen besuchten und sie \u00fcber ihre ersten Schritte interviewten. Die praktische Seite (Art Handling, Buchhaltung, Zusammenarbeit mit Galerien, wirtschaftliche Aspekte rund um Produktion und Verkauf) lernte ich im Studentenjob, als Assistentin bei einer Videok\u00fcnstlerin. Meine Professor:innen, insbesondere Karin Sander und Christina Werner (Studio Eliasson) haben verschiedene Lehrformate angeboten, Studio Visits und Vortr\u00e4ge organisiert, um einen Wissenstransfer von Berufsrealit\u00e4t zum Studium zu erm\u00f6glichen. Sie haben mich auch nach dem Studium viel unterst\u00fctzt, f\u00fcr Stipendien und Ausstellungsm\u00f6glichkeiten vorgeschlagen. Ein Preis f\u00fcr meine Diplomarbeit und die dazugeh\u00f6rige Preistr\u00e4gerausstellung f\u00fchrte zum Kontakt zu einem bekannten Kurator und \u00fcber ihn zu ersten Verk\u00e4ufen, einer Museumsausstellung und zur ersten Galerievertretung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Welche Stipendien, Preise und anderen F\u00f6rderungen hast du zu Beginn deiner<\/strong> <strong>Karriere erhalten und inwiefern haben dich diese Programme bei der<\/strong> <strong>Weiterentwicklung deiner Arbeit unterst\u00fctzt? Welche Formen der K\u00fcnstler:innen-F\u00f6rderung w\u00fcrdest du dir dar\u00fcber hinaus w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe im ersten Jahr nach dem Studium sehr viele Bewerbungen geschrieben. Unroutiniert waren das drei Tage Arbeit pro Bewerbung, netto 3 Monate \u00fcber das Jahr verteilt. Die Ausbeute war ein zweimonatiges Stipendium im K\u00fcnstlerdorf Sch\u00f6ppingen: Eine negative Bilanz, k\u00f6nnte man meinen, aber es war doppelt n\u00fctzlich f\u00fcr mein Netzwerk. Ich habe in Sch\u00f6ppingen Freundschaften gekn\u00fcpft, die heute noch, auch beruflich, wichtig f\u00fcr mich sind. Auch haben in den Auswahlprozessen der anderen Bewerbungen viele Jurys meine Arbeiten gesehen. Dieses Fachpublikum h\u00e4tte ich damals nicht zu mir ins Atelier bekommen. So ergaben sich, teilweise zwei Jahre sp\u00e4ter, diverse R\u00fcckl\u00e4ufer und Ausstellungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als besonders wertvoll empfand ich das Toni und Albrecht Kumm Stipendium, das mir zwei Jahre einen Atelierplatz zur Verf\u00fcgung stellte, und das Projektstipendium der Stiftung Kunstfonds, das in Kooperation mit dem Nassauischen Kunstverein Wiesbaden meine erste institutionelle Einzelausstellung und den dazugeh\u00f6rigen Katalog finanzierte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Welche Strukturen sind f\u00fcr dich wichtig, um deine k\u00fcnstlerische Praxis<\/strong> <strong>voranzubringen? Wie organisierst du dich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungesund: Ich brauche Deadlines, um produktiv zu sein. Also sorge ich f\u00fcr Deadlines. Ich \u00fcberlege, welche Arbeit ich delegieren kann, arbeite lieber mit Zielen, als mit To-Do-Listen und streckenweise gebe ich mir E-Mail- und Social Media-Verbot um den Fokus auf das Arbeitsvorhaben zu behalten. Abwechselnd mit meinem Partner verbringe ich jeden zweiten Nachmittag mit unserem Sohn (3). Ich arbeite von 9 bis 15 Uhr und von 21 bis 23 Uhr oder l\u00e4nger. Hin und wieder habe ich ein Date mit mir selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4. Wie erlebst du die Arbeits- und Rahmenbedingungen des Kunstbetriebs,<\/strong> <strong>insbesondere im Kontext der aktuellen Krisen?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie lang darf die Antwort werden? Online is the new normal. Infolge der Digitalisierung sind wir inmitten einer Machtverteilungsfrage. Ich sehe den Kunstmarkt darin als besonders symptomatisch. Hier zeigt sich vieles in noch gr\u00f6\u00dferer Deutlichkeit, was aber bezeichnend f\u00fcr viele Wirtschaftszweige ist. Daher ist der Kunstmarkt ein perfektes Beispiel, um aktuelle Tendenzen zu untersuchen. Das Berufsbild K\u00fcnstler:in ist heute ein ganz anderes, als noch vor 20 Jahren. Was bedeutet das f\u00fcr das eigene Selbstverst\u00e4ndnis als K\u00fcnstler:in? Welche strukturellen M\u00f6glichkeiten entstehen in diesem Wandel? Neben einer fundierten k\u00fcnstlerischen Arbeit gewinnt die F\u00e4higkeit der Vermittlung durch uns K\u00fcnstler:innen und die Darstellung unserer Arbeit an Bedeutung. Gleichzeitig leben wir in einer \u00d6konomie der Unknappheit und Bilderflut. Genie-Kult und Einzelk\u00e4mpfertum sind keine zukunftsf\u00e4higen Strategien mehr \u2013 daf\u00fcr werden Mitstreiter:innen und Bewegungen an Bedeutung gewinnen. Regionales, dezentrales Arbeiten wird m\u00f6glich. Es entstehen neue Wege jenseits des tradierten Galerien-Systems. Insgesamt empfinde ich diese Entwicklung als positiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5. Neben deiner eigenen Praxis leitest du seit 2017 seeup, ein Workshop-Programm zur kreativen und unternehmerischen Qualifizierung an der Weissensee Kunsthochschule Berlin. Worin liegt die besondere Qualit\u00e4t des Programms?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen besser auf dieses sich \u00e4ndernde Berufsbild vorbereiten, in dem digitale Vernetzung eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt. Digitalisierung ist kein Hurricane, der unkontrolliert \u00fcber das Land fegt, sondern kann und muss von uns mitgestaltet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter welchen Bedingungen wird Kunst heute produziert, pr\u00e4sentiert, vermittelt und verwertet? Wie kann ich mir eigene Strukturen aufbauen, damit ich nachhaltig kreativ bleiben kann? Wer verdient an der Kunst und wie k\u00f6nnen wir Strukturen jenseits des klassischen Kunstsystems bzw. -marktes schaffen, die eine faire(re) Beteiligung aller Mitwirkenden herstellen? Welche neuen Formen der Kooperation, auch interdisziplin\u00e4r, sind denkbar? Welche bisher nicht mitgedachten gesellschaftlichen Bereiche k\u00f6nnten heute von K\u00fcnstler:innen ma\u00dfgeblich mitgestaltet werden?<br>Diesen und \u00e4hnlichen Fragen stellen wir uns \u2013 wie auch das Kunstb\u00fcro mit seiner Arbeit in Baden-W\u00fcrttemberg \u2013 in Workshops und Talks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6. Welchen Stellenwert nimmt deine T\u00e4tigkeit bei seeup neben deiner k\u00fcnstlerischen<\/strong> <strong>Praxis ein? Bzw. worin liegt dein spezifisches Interesse in der Arbeit f\u00fcr see up?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Stundenkontingent f\u00fcr see up kann ich flexibel an meine Ausstellungspraxis anpassen. Ich genie\u00dfe es, mit Kolleg:innen im regelm\u00e4\u00dfigen Austausch zu berufsrelevanten Fragen zu stehen, ihnen zu helfen, den roten Faden zu formulieren und sich kommunikativ fit zu machen, oder mit ihnen gemeinsam an individuellen Strategien zu feilen. Ich sehe, was bei anderen in der Pipeline ist und lerne viel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7. Welchen Rat w\u00fcrdest Du jungen K\u00fcnstler:innen mit auf den Weg geben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Misstraue jedem, der eine pauschale Antwort auf diese Frage hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8. Auf was oder auf welches Projekt freust Du Dich in diesem Jahr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Biennale der K\u00fcnstlerinnen im Haus der Kunst M\u00fcnchen im August\/September und auf mein aktuelles Arbeitsvorhaben \u201eGround Control\u201d. An der Schnittstelle zur Physik transformiere ich bekannt Geglaubtes, z. B. Haushaltsgegenst\u00e4nde, Landkarten und Messinstrumente in Parabeln. Ein tiefschwarzer Kreis, der am Rand Metastasen artig zerfressen ist, k\u00f6nnte ein Vexierbild sein, entpuppt sich aber als physische Karte des Nordpols mit der Lichtverschmutzung der angrenzenden Kontinente. Ma\u00dfst\u00e4be verkehren sich zu Mikado und die fotografische Langzeitbelichtung eines leuchtenden Kinderglobus setzt alles auf Null und l\u00e4sst die Erde homogen wei\u00df erstrahlen. Wieviel Meter Mee(h)r sind 2\u00b0C? Dieses Arbeitsvorhaben gilt dem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen physikalischen Gesetzen, Mensch und Umwelt. Die epochale Auswirkung des Klimawandels aus subjektiver Perspektive zu erfassen, ist existentiell, nur nahezu unm\u00f6glich. Diese Zerbrechlichkeit menschlicher Ma\u00dfst\u00e4be festzuhalten ist mein Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Juni 2023)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-colored-bg-pastel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"450\" height=\"450\" src=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/formatiert_sophiapompery_heikeoverberg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4025\" srcset=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/formatiert_sophiapompery_heikeoverberg.jpg 450w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/formatiert_sophiapompery_heikeoverberg-200x200.jpg 200w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/formatiert_sophiapompery_heikeoverberg-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/formatiert_sophiapompery_heikeoverberg-320x320.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Heike Overberg<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":4025,"template":"","materialtype":[40],"class_list":["post-4024","material","type-material","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","materialtype-interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material\/4024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/material"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"materialtype","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/materialtype?post=4024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}