{"id":6767,"date":"2025-04-29T12:35:23","date_gmt":"2025-04-29T10:35:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/?post_type=material&#038;p=6767"},"modified":"2025-05-02T12:32:00","modified_gmt":"2025-05-02T10:32:00","slug":"8-fragen-an-fabian-treiber","status":"publish","type":"material","link":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/material\/8-fragen-an-fabian-treiber\/","title":{"rendered":"8 FRAGEN AN FABIAN TREIBER"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns p-outer is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1250aeed wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><h1 style=\"font-style:normal;font-weight:700;text-transform:capitalize\" class=\"wp-block-post-title has-xlarge-font-size\">8 FRAGEN AN FABIAN TREIBER<\/h1>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fabian Treiber (*1986) lebt und arbeitet in Stuttgart. Er hat Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Stuttgart bei Reto Boller studiert.<br>In seiner malerischen Praxis hat sich Fabian Treiber rein formal den Sujets des Interieur, des Stilllebens und der Landschaft verschrieben und nutzt diese, um in seinen Werken subjektive Projektionen, das Prototypische der Dinge, Typologien und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit zu hinterfragen. <br>Hierbei trifft der K\u00fcnstler seine Entscheidungen im Bild immer formal und nicht narrativ. Dabei provoziert er den bewussten Bruch, um so das vermeintlich Falsche zur Qualit\u00e4t der Malerei zu erkl\u00e4ren \u2013 mit dem Effekt, dass seine Arbeiten irgendwie nicht stimmen wollen, aber doch genau richtig sind. <br>F\u00fcr sein k\u00fcnstlerisches Schaffen erhielt Fabian Treiber zahlreiche Preise und Stipendien und stellt in Einzel- und Gruppenausstellung im In- und Ausland aus.<br><a href=\"http:\/\/www.fabiantreiber.de\/\"><strong>www.fabiantreiber.de<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Du hast dein Studium der Malerei 2016 an der Kunstakademie Stuttgart abgeschlossen. <\/strong><strong>Welches waren deine ersten Schritte in die professionelle k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckblickend erscheinen viele Schritte und \u00dcberg\u00e4nge jener Zeit als flie\u00dfend. Bereits 2013, noch w\u00e4hrend meines Studiums, hatte ich mich dazu entschlossen, ein eigenes Atelier anzumieten \u2013 zun\u00e4chst noch im Rahmen einer Ateliergemeinschaft. R\u00fcckblickend war das ein entscheidender Wendepunkt f\u00fcr mich und meine k\u00fcnstlerische Arbeit. Erst im Anschluss daran beendete ich mein Studium und bewarb mich f\u00fcr das Meistersch\u00fclerprogramm, welches ich 2016 abschloss. Das eigene Atelier war f\u00fcr mich ein bedeutender Schritt in Richtung Selbstst\u00e4ndigkeit \u2013 eine bewusste Entscheidung zugunsten meines k\u00fcnstlerischen Weges.<br>Etwa zur selben Zeit begann ich, erste Kontakte zu Galerien und K\u00fcnstler:innen au\u00dferhalb Stuttgarts zu kn\u00fcpfen, mich an Ausstellungen zu beteiligen und ein Netzwerk jenseits der Akademie aufzubauen. Damit einher ging die Entwicklung eines eigenen Arbeitsalltags \u2013 einer Organisation und Struktur. <br>Ich arbeitete in dieser Phase in verschiedenen Aufbauteams, K\u00fcnstlerateliers und einer Galerie, auch und gerade weil ich Erfahrungen sammeln und mir Wissen aneignen wollte. Professionalit\u00e4t kam dabei nicht pl\u00f6tzlich, sondern entwickelte sich ganz organisch \u2013 fast beil\u00e4ufig. Ohne ein gewisses Ma\u00df an Struktur und Eigenverantwortung, angefangen bei der ersten Buchhaltung bis hin zur Erstellung eines ersten Werkverzeichnisses f\u00fcr Bewerbungen, w\u00e4ren die Herausforderungen dieser Zeit nicht zu bew\u00e4ltigen gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Stipendien, Residenzen und anderen F\u00f6rderungen hast du zu Beginn deiner Karriere erhalten und inwiefern haben dich diese Programme bei der Weiterentwicklung deiner Arbeit unterst\u00fctzt? Welche Formen der K\u00fcnstler:innen-F\u00f6rderung w\u00fcrdest du dir dar\u00fcber hinaus w\u00fcnschen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin ziemlich sicher, dass es nicht ein bestimmtes Programm war, das mich besonders unterst\u00fctzt hat. Vielmehr war es die Tatsache, dass meine Arbeit gesehen wurde \u2013 und als f\u00f6rderungsw\u00fcrdig galt. Das hat mich in meiner k\u00fcnstlerischen Position enorm best\u00e4rkt. Diese Anerkennung halte ich f\u00fcr zentral. Die Sichtbarmachung durch eine Jury oder Institution \u2013 der sogenannte \u201eproof of authority\u201c \u2013 wird h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt. Gerade f\u00fcr junge k\u00fcnstlerische Positionen kann schon die blo\u00dfe Aufmerksamkeit, das ernsthafte Hinsehen, unglaublich viel bewirken. Viele F\u00f6rderung m\u00fcssen dabei gar nicht zwingend finanzieller Natur sein \u2013 oft sind es die ,weichen\u2018 Aspekte, die besonders viel bewegen.<br>Nat\u00fcrlich verdanke ich dem Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendium, der Marianne und Hans-Friedrich Defet Stiftung sowie der Publikationsf\u00f6rderung des Landes <br>Baden-W\u00fcrttemberg (die 2024 bedauerlicherweise eingestellt&nbsp;wurde, <br>Anm. d. Redaktion) sehr viel. Vor allem aber haben mir diese F\u00f6rderungen Selbstvertrauen gegeben \u2013 sie haben mich ermutigt, weiterzumachen, dranzubleiben.<br>Ganz aktuell w\u00fcnsche ich mir, dass die F\u00f6rderlandschaft flexibler und altersdiverser wird. Ich erlebe gerade, dass ich mit meiner Arbeit \u2013 sei es aufgrund der fortgeschrittenen Karriere oder schlicht meines Alters \u2013 zunehmend in eine L\u00fccke gerate. Mit 39 Jahren bin ich f\u00fcr viele Ausschreibungen in meinem Bereich ,zu alt\u2018, <br>,zu erfolgreich\u2018 oder mein Werk gilt als ,zu weit fortgeschritten\u2018. <br>Dabei ist es genau diese Phase, in der k\u00fcnstlerische Weiterentwicklung weiterhin essenziell ist. Ich w\u00fcrde mir daher gezielte F\u00f6rderprogramme f\u00fcr freischaffende midcareer-K\u00fcnstler:innen w\u00fcnschen \u2013 Programme, die die Entwicklung in dieser wichtigen Karrierephase in den Fokus r\u00fccken, ohne an ein konkretes Thema oder Projekt gebunden zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Strukturen sind f\u00fcr dich wichtig, um deine k\u00fcnstlerische Praxis voranzubringen? Wie organisierst du dich, welche Rolle spielt deine Aktivit\u00e4t in Netzwerken?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist nicht so einfach zu beantworten, wenn man sich innerhalb dieser Strukturen bewegt,&nbsp;also gewisserma\u00dfen von innen heraus versucht, sich das Au\u00dfen vorzustellen.&nbsp;<br>Was ich sagen kann, ist: Netzwerke waren f\u00fcr mich schon immer von gro\u00dfer Bedeutung. Ich sage bewusst schon immer, denn bereits w\u00e4hrend meiner Zeit an der Akademie haben einige Freund:innen und ich einen sogenannten Crit Club etabliert. Klassen\u00fcbergreifend haben wir uns regelm\u00e4\u00dfig au\u00dferhalb der offiziellen Besprechungen in unseren Ateliers getroffen, um unsere Arbeiten zu diskutieren. <br>Ein Netzwerk bedeutete f\u00fcr mich also von Anfang an nicht Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern vielmehr: produktiver Austausch. Miteinander sprechen, sich um pr\u00e4zise Beschreibungen bem\u00fchen, voneinander lernen \u2013 das war mir immer wichtiger als bei jedem Kunstevent pr\u00e4sent zu sein.<br>Auch Instagram und andere Plattformen habe ich stets als Werkzeug begriffen \u2013 <br>als M\u00f6glichkeit, im Austausch mit internationalen Kolleg:innen zu bleiben und \u00fcber die Arbeiten im Gespr\u00e4ch zu sein. Gl\u00fccklicherweise sind darunter ein paar wenige enge Kontakte, mit denen ich bis heute regelm\u00e4\u00dfig telefoniere oder sie im Atelier besuche. Nach rund zw\u00f6lf Jahren selbstst\u00e4ndiger, meist allein organisierter Arbeit, sind diese Verbindungen \u2013 neben den ganz allt\u00e4glichen Routinen, die man sich im Laufe der Zeit erarbeitet \u2013 zentrale, pr\u00e4gende Strukturen geworden. Sie beeinflussen meine Arbeit, mein Denken und nicht zuletzt mein Durchhalteverm\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie erlebst du die Arbeits- und Rahmenbedingungen des Kunstbetriebs, insbesondere im Kontext der aktuellen Krisen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zurzeit erlebe ich eine Phase gro\u00dfer Unsicherheit \u2013 eine Art ,Zuversichtskrise\u2018.&nbsp;<br>Auch wenn meine direkten Arbeitsbedingungen bislang davon weniger betroffen sind, sind es vielmehr diffuse, schwer zu greifende Faktoren, die zunehmend Sorge bereiten.<br>K\u00fcnstler:innen scheinen von Natur aus resilient zu sein \u2013 viele gehen mit Krisen bemerkenswert produktiv um. Doch die Zumutungen wachsen. Und hier sehe ich einen wunden Punkt, \u00fcber den wir dringend sprechen sollten. Denn was fr\u00fcher vielleicht ,nur\u2018 die finanzielle Souver\u00e4nit\u00e4t oder die Sicherung eines Arbeitsortes betraf, greift heute auf immer weitere Lebens- und Arbeitsbereiche \u00fcber. <br>Ich glaube tats\u00e4chlich, dass die Krisen im Bereich der Kultur- und Institutionenpolitik tiefgreifender sind \u2013 oder werden k\u00f6nnten \u2013 als viele sie derzeit wahrhaben wollen. Und ich sehe bislang keine wirklich ad\u00e4quaten Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit. Gl\u00fccklicherweise bin ich im Moment finanziell unabh\u00e4ngig von der \u00f6ffentlichen F\u00f6rderlandschaft, doch nat\u00fcrlich nicht von meinen Partnern und Galerien, mit denen ich eng \u2013 sowohl inhaltlich als auch wirtschaftlich \u2013 verbunden bin. Der Kunsthandel bleibt von den aktuellen Entwicklungen nicht unber\u00fchrt.<br>Auch ohne mir anzuma\u00dfen, die komplexe politische und wirtschaftliche Lage vollst\u00e4ndig zu durchdringen, konnte ich zuletzt Gespr\u00e4che mit meiner Galeristin in den USA f\u00fchren und gleichzeitig die Perspektiven meiner europ\u00e4ischen Partner:innen reflektieren. Das wiederzugeben w\u00fcrde hier den Rahmen sprengen \u2013 nur ein Beispiel: Meine kommende Ausstellung in Los Angeles wurde verschoben. Gr\u00fcnde waren unter anderem die j\u00fcngsten Wahlen, die Br\u00e4nde in Kalifornien&nbsp;&nbsp;und die massiven Kostensteigerungen bei Logistik und Transport. In solchen Momenten verschiebt sich das romantische Bild vom freischaffenden K\u00fcnstler sp\u00fcrbar in Richtung einer unternehmerischen Existenz. Ich bin gezwungen, flexibel zu bleiben, vorauszudenken und auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren \u2013 auch wenn diese oft au\u00dferhalb meines Einflussbereichs liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deine Arbeiten sind in renommierten Galerien im In- und Ausland vertreten,&nbsp;   z. B. bei Rutkowski;68 in K\u00f6ln und New York, bei&nbsp;Mark M\u00fcller in Z\u00fcrich oder der Anat Ebgi Galerie in Los Angeles.&nbsp;Wie sind diese Galerist:innen auf deine Arbeiten aufmerksam geworden? Gab es Unterst\u00fctzung vonseiten der Professor:innen bzw. welche anderen Netzwerke kamen dabei zum Tragen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So einfach es klingen mag \u2013 es ging zumeist um gute Gelegenheiten und immer um \u00fcberzeugende Arbeiten. Beides, davon bin ich fest \u00fcberzeugt, hat man als K\u00fcnstler:in in der eigenen Hand. Ich muss gestehen \u2013 und ich hoffe, ich trete damit niemandem zu nahe \u2013, dass uns die Akademie vor \u00fcber zehn Jahren nicht wirklich intensiv auf die k\u00fcnstlerische Selbstst\u00e4ndigkeit, auf die Zusammenarbeit mit Galerien oder auf die Realit\u00e4t des Kunstmarkts vorbereitet hat. Eine wichtige Ausnahme war Reto Boller, dem es ein pers\u00f6nliches Anliegen war, mit unserer Klasse Galerien zu besuchen und Gespr\u00e4che mit Galerist:innen zu f\u00fchren.\u00a0Das war ungemein wertvoll \u2013 man konnte ein erstes Gef\u00fchl daf\u00fcr entwickeln, wo man mit der eigenen Arbeit \u00fcberhaupt hineinpasst und ob einem diese Art der Zusammenarbeit liegt. F\u00fcr einige meiner Kommiliton:innen entstanden daraus sogar konkrete Ausstellungen oder langfristige Kontakte.\u00a0<br>Das meine ich mit ,Gelegenheiten\u2018. Sie passieren \u2013 aber man muss sie erkennen und bereit sein, etwas daraus zu machen. Solche Begegnungen gibt es\u00a0bis heute: bei Ausstellungser\u00f6ffnungen, beim gemeinsamen Essen, durch Empfehlungen \u2013 das klingt f\u00fcr manche vielleicht nach Magie, Filz oder einer gl\u00e4sernen Decke. Aber ich habe das pers\u00f6nlich nie so empfunden.<br>Dann kam Instagram ins Spiel \u2013 mir hat dieses Netzwerk anfangs viele T\u00fcren ge\u00f6ffnet. Zun\u00e4chst inhaltlich. Ich konnte meine Arbeit weit \u00fcber die Grenzen der Stadt, in der ich lebe und arbeite sichtbar machen und sp\u00fcrte zum ersten Mal deutlich, dass ich nicht auf eine bestimmte lokale Arbeitsweise festgelegt war. Neugewonnene Freund:innen aus Kopenhagen luden mich daraufhin zu einer Gruppenausstellung ein \u2013 und Kerry Harm Nielsen, mein heutiger Galerist in Kopenhagen, sah meine Arbeiten so zum ersten Mal in eben jener Ausstellung.<br>Nils M\u00fcller, mein K\u00f6lner Galerist, traf ich ganz klassisch auf einen Kaffee in K\u00f6ln, nachdem ein Freund ihm erz\u00e4hlt hatte, wie sehr ich sein Programm sch\u00e4tze \u2013 und dass ich ihm gern meine Arbeiten zeigen w\u00fcrde. Mark M\u00fcller aus Z\u00fcrich lernte ich bei einer Ausstellung von Reto Boller kennen, und er lud mich ein, ihm sp\u00e4ter ein PDF mit meinen Arbeiten schicken. Philipp Haverkampf, mein Berliner Galerist, entdeckte meine Pr\u00e4sentation in der Kunsthalle D\u00fcsseldorf anl\u00e4sslich des Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendiums. Anat Ebgi aus Los Angeles wiederum sah meine Arbeiten zuerst online, besuchte dann aber bei einem sp\u00e4teren Paris-Aufenthalt meine Ausstellung vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen. Zu jenem Zeitpunkt hatten wir schon viel geschrieben und obschon wir uns bis dato nie pers\u00f6nlich begegnet sind, sp\u00fcrte ich, dass sie intuitiv einen guten Zugang zu meiner k\u00fcnstlerischen Praxis hatte.\u00a0<br>In all diesen Beispielen ging es immer um Gelegenheiten, um ein Ma\u00df an Sichtbarkeit oder um Netzwerke \u2013 aber am Ende immer um die Arbeit selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In deiner malerischen Praxis besch\u00e4ftigst du dich formal mit den Sujets des Interieur, des Stilllebens und der Landschaft. Du nutzt sie, um subjektive Projektionen, das Prototypische der Dinge, Typologien und unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit zu hinterfragen.<\/strong> <strong>Nach wie vor ist das Interesse an der Malerei im digitalen Zeitalter ungebrochen, woran liegt das deiner Meinung nach?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schwierige Frage. Bewegungen und Diskurse verlaufen nie eindimensional.&nbsp;<br>Vielleicht l\u00e4sst sich so zun\u00e4chst erkl\u00e4ren, warum es innerhalb der Malerei wieder eine Vielzahl ausdifferenzierter Str\u00f6mungen gibt \u2013 und zugleich, weshalb das Interesse am gemalten Bild im digitalen Zeitalter ungebrochen scheint. Vielleicht liegt diesem Interesse auch ein Missverst\u00e4ndnis zugrunde \u2013 allerdings ein sehr produktives. <br>Es wurde ja immer gemalt, und ich halte die Malerei mit ihrer ganz eigenen, unersetzbaren Sprache f\u00fcr absolut wesentlich. Das heutige Interesse k\u00f6nnte aber ebenso ein Nebeneffekt unserer Bildersucht und der vermeintlichen Niederschwelligkeit sein \u2013 ein Resultat der Aufmerksamkeits\u00f6konomie oder des individuellen Strebens nach absoluter Sichtbarkeit und grenzenloser Selbstinszenierung. Diese L\u00fccke f\u00fcllt ausgerechnet die Malerei auf eine paradoxe Weise besonders gut.<br>Eine andere Erkl\u00e4rung liegt vielleicht in ihrem anachronistischen Charakter: Malerei wirkt wie ein bewusster Widerspruch zu nahezu allen medialen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. W\u00e4hrend diese Entwicklungen prim\u00e4r visuell, schnell und intermedial funktionieren, ist die Malerei langsam, in vielerlei Hinsicht begrenzt \u2013 und letztlich: still. Genau darin liegt f\u00fcr mich ihre gro\u00dfe Kraft. Sie widersetzt sich der Dauerbeschleunigung und bietet \u2013 beinahe trotzig \u2013 eine Form der Kontemplation. In dieser Stille liegt etwas zutiefst Poetisches. Und ich glaube fest daran, dass darin eine tiefe menschliche Sehnsucht ber\u00fchrt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Momentan bist du als Mentor am Kunstb\u00fcro Mentoring beteiligt.                 Worin liegt f\u00fcr dich die besondere Qualit\u00e4t eines solchen Programms?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, das ist im bisherigen Gespr\u00e4ch wahrscheinlich schon deutlich geworden. In einem Interview lassen sich meist nur wenige Aspekte gleichzeitig beleuchten \u2013 aber f\u00fcr mich z\u00e4hlt der gemeinsame Denkprozess, der produktive Austausch \u2013 sei er intergenerational, intermedial oder intergeschlechtlich \u2013 zu den sch\u00f6nsten und wesentlichsten Bestandteilen meiner k\u00fcnstlerischen Arbeit.<br>Gerade darin liegt f\u00fcr mich auch die besondere Qualit\u00e4t eines Mentoring-Programms: die M\u00f6glichkeit, Wissen, Erfahrungen und auch eine Art ,Muskelged\u00e4chtnis\u2018 zu teilen \u2013 und im gleichen Atemzug zu \u00fcberpr\u00fcfen. Letzteres gelingt ohnehin nur im Dialog. Nur im Austausch begreift man, warum man bestimmte Dinge ganz selbstverst\u00e4ndlich tut. Sich gegenseitig in der Entwicklung zu beobachten, zu begleiten, zu unterst\u00fctzen und zu ermutigen \u2013 genau das macht f\u00fcr mich die Qualit\u00e4t eines solchen Programms aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was interessiert dich an deiner Rolle als Mentor und wie sieht deine Zusammenarbeit mit Grischa Kaczmarek im Rahmen des Programms konkret aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann nicht genau sagen, was mich an der Rolle des Mentors interessiert \u2013 mir f\u00e4llt dazu ehrlich gesagt nichts Allgemeing\u00fcltiges ein. Ich interessiere mich f\u00fcr Grischa:  f\u00fcr seine Arbeit, seinen Alltag, seine Gedanken. Ich nehme ihn in allen Belangen hundertprozentig ernst und verstehe meine Rolle eher als die eines Begleiters \u2013 jemand, der ansprechbar ist, der da ist, wenn es gew\u00fcnscht ist. Ich hoffe, dass ich dabei vielleicht auch etwas \u00fcber mich und meine eigene Arbeit erfahre.<br>Wir haben uns ziemlich fr\u00fch darauf verst\u00e4ndigt, dass wir keine Agenda verfolgen wollen. Mir f\u00e4llt es ohnehin schwer, in Kategorien von ,didaktischen Impulsen\u2018 zu denken. Grischa ist bereits jetzt unglaublich reflektiert und kommt zu sehr souver\u00e4nen Ergebnissen. Bei einem meiner ersten Besuche habe ich ihm deshalb gesagt: \u201eArbeite einfach frei und ohne Hemmungen.\u201c Er muss mir nichts beweisen \u2013 ich begleite ja lediglich den Prozess. Und dann sprechen wir \u00fcber das, was da ist. Wir schreiben und telefonieren, besuchen uns im Atelier, gehen gemeinsam essen oder zu Er\u00f6ffnungen. Und es steht auch noch ein gr\u00f6\u00dferer ,Betriebsausflug\u2018 im Raum \u2013 vielleicht nach Paris.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Worauf freust du dich in 2025?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich freue ich mich gerade auf meine Arbeit im Atelier.&nbsp;<br>Es gibt einen neuen Werkzyklus, den ich seit Herbst vergangenen Jahres langsam versuche zu verdichten. Gerade beginne ich ihn inhaltlich, gegen\u00fcber meinen vorangegangenen Arbeiten und meiner Haltung zu befragen. Das macht viel Freude!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(April 2025)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-style-colored-bg-pastel is-layout-flow wp-container-core-column-is-layout-b51d916f wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:40%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-medium is-style-colored-bg-pastel\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"688\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-688x1024.jpg\" alt=\"Foto: Nils M\u00fcller\" class=\"wp-image-6788\" title=\"Foto: Nils M\u00fcller\" srcset=\"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-688x1024.jpg 688w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-134x200.jpg 134w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-768x1143.jpg 768w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-640x952.jpg 640w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11-320x476.jpg 320w, https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/wp-content\/uploads\/a080561-r1-26-11.jpg 1008w\" sizes=\"auto, (max-width: 688px) 100vw, 688px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Nils M\u00fcller<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":6788,"template":"","materialtype":[40],"class_list":["post-6767","material","type-material","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","materialtype-interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material\/6767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/material"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/material"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"materialtype","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunstbuero-bw.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/materialtype?post=6767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}