Symposium

AVANTI DILETTANTI! — PROFESSIONALISIERUNG IM FELD DER ZEITGENOESSISCHEN KUNST

Donnerstag, 10.10., 19.30 Uhr & Freitag, 11.10.2019, 14.00 — 18.30 Uhr
Kunststiftung Baden-Württemberg
Symposium zum 10-jährigen Bestehen des Kunstbüros der Kunststiftung Baden-Württemberg

In welchem Feld bewegen sich Künstler/innen heute und was bringt ihre Profession gegenwärtig mit sich? Wie können sie sich erfolgreich auf die komplexen Herausforderungen und Mechanismen der globalisierten Kunstwelt vorbereiten und gleichzeitig einen reflektierten Umgang mit deren Produktions-, Präsentations- und Arbeitsbedingungen erlangen? Welche Strategien sind zur Sichtbarmachung der eigenen künstlerischen Anliegen und zur Selbstpositionierung im immer weiter ausdifferenzierten Kunstfeld nötig? Und wie können sich Kunstproduzent/innen dieser bemächtigen?

2019 feiert das Kunstbüro sein 10-jähriges Bestehen und nimmt dies zum Anlass, das Thema der Professionalisierung von Künstler/innen und damit die Frage nach der künstlerischen Profession im Rahmen eines Symposiums aus unterschiedlichen Perspektiven neu zu betrachten.

Mit Beiträgen von Barbara Bader (Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart), Birgit Effinger (Kunstwissenschaftlerin, Lehrende und Autorin, Berlin), Constanze Fischbeck (Künstlerin, Berlin), Emmanuel Mir & Marcel Schumacher (LaB K – Landesbüro für Bildende Kunst NRW), Wolfgang Ullrich (Kulturwissenschaftler und Autor, Leipzig) und Regina Fasshauer & Antonia Marten (Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg)
Moderation Podium: Martin Fritz (Rektor der Merz Akademie Stuttgart)

Im Anschluss an das Symposium erscheint eine Publikation.

 

– Programm –

 

Donnerstag, 10. Oktober, 19.30 Uhr

Grußwort 
Brigitte Lösch MdL, Beiratsvorsitzende der Kunststiftung Baden-Württemberg
Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Begrüßung
Regina Fasshauer & Antonia Marten, Leitung Kunstbüro der Kunststiftung Baden-Württemberg

20.00 Uhr
»Was ist schon professionell? Über künstlerische Arbeitswelten und ihre Herausforderungen« – Keynote von Wolfgang Ullrich (Kulturwissenschaftler und Autor, Leipzig)

ab 21.00 Uhr Apéro

 

Freitag, 11. Oktober

14.00 Uhr
»Als Künstler/in arbeiten. Wissen und Können – Empowerment-Strategien«     
Vortrag von Birgit Effinger (Kunstwissenschaftlerin, Lehrende & Autorin, Berlin)

14.45 Uhr
»We are studio«     
Vortrag von  Constanze Fischbeck (Künstlerin, Berlin)

15.45 Uhr
»Was braucht die Kunst?«
Vortrag von Emmanuel Mir (Landesbüro für Bildende Kunst NRW – LaB K)

17.00 Uhr
Podium »Professionalisierung im Feld der zeitgenössischen Kunst« u.a. mit Barbara Bader, Birgit Effinger, Constanze Fischbeck, Marcel Schumacher, Regina Fasshauer & Antonia Marten
Moderation: Martin Fritz

18.30 Uhr
– Ende –

 

Der Eintritt ist frei.

 

Wolfgang Ullrich: »Was ist schon professionell? Über künstlerische Arbeitswelten und ihre Herausforderungen«

Verschiedene Instanzen der Kunstwelt wirken heute sehr stark auf die künstlerische Arbeit ein – und setzen für die Kunst Standards, denen zu entsprechen dann zugleich bedeutet, professionell zu sein. Was aber heißt es genau für Künstler/innen, professionell auf den Kunstmarkt zu reagieren, professionell mit den Ansprüchen von Kurator/innen umzugehen oder sich professionell in den Sozialen Medien zu präsentieren? Und ist jenseits all der Einflüsse von außen überhaupt noch Platz für künstlerische Autonomie?

Wolfgang Ullrich (Leipzig) ist Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler. Er hatte Gastprofessuren an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe inne, sowie zahlreiche Lehraufträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2006 bis 2015 war er Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der HFG Karlsruhe. Seither ist er freiberuflich tätig als Autor, Kulturwissenschaftler und Berater. In seinen Schriften befasst sich Wolfgang Ullrich mit Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, mit aktuellen Verschiebungen innerhalb des Kunstbetriebs, mit bildsoziologischen Fragen und Konsumtheorie.

 

Birgit Effinger: »Als Künstler/in arbeiten. Wissen und Können – Empowerment-Strategien«

Die beruflichen Anforderungen, denen sich Künstler/innen nach ihrem Studium stellen müssen, sind hoch und die Diskrepanz zwischen Akademiealltag und Berufsrealität teilweise enorm. Das professionelle künstlerische Arbeiten findet heute mit unterschiedlichsten Produktions- und Distributionsmethoden und im Kontext vielfältiger Tätigkeitsprofile statt. Die unmittelbare Arbeit am künstlerischen Werk macht dabei nur einen Bruchteil der künstlerischen Praxis aus – längst sind Management oder ›flexibles professionelles künstlerisches Handeln‹ Teil der beruflichen Realität. Ein erweitertes Verständnis von künstlerischer Praxis muss freilich nicht zwingend dem kapitalistischen Unternehmer/innentypus entsprechen. Vielmehr geht es um jene Aspekte, die in der heutigen Situation das Potential haben, Künstler/innen im Berufsalltag selbstbestimmte Gestaltungsspielräume zu eröffnen.

Birgit Effinger (Berlin) ist Kunstwissenschaftlerin und unterstützt Künstler/innen bei der aktiven Gestaltung ihrer Laufbahn. Als Lehrende an verschiedenen europäischen Kunsthochschulen, Projektleiterin des Goldrausch Künstlerinnenprojekts Berlin (bis 2018) und Mentorin hat sie ein breites Methodenrepertoire zum Empowerment von Künstler/innen entwickelt . Zudem publiziert sie regelmäßig Beiträge in Kunstzeitschriften zu den Themen Professionalisierung in den Künsten, Fragen des politischen und ästhetischen Handelns, aktuelle Kunst und ihre Diskurse. 

 

Constanze Fischbeck: »We are studio«   

Curricula von Studienangeboten mäandern zwischen der Ausrichtung auf die Gegenwart eines potentiellen Arbeits- oder Kunstmarkts und Manifesten, die eher vom bereits Erreichten der Lehrenden ausgehen. Die nächste Generation von Künstler/innen und Gestalter/innen wird als eine innovative, unangepasste und selbstbewusste vorausgesetzt, die nach dem Studium in der Lage ist, bestehende Institutionen kritisch zu hinterfragen und die Gesellschaft mitzugestalten. Studierende hingegen formulieren ein starkes Interesse am kollektiven Arbeiten – auch weil hier die Möglichkeit besteht, mehrere »Rollen« oder Positionen innerhalb der Gruppe auszuprobieren. Abseits einer Institution oder eines Marktes kann in Künstlergruppen oder kollektiv geführten Kunsträumen zunächst an einer Binnenlogik gearbeitet werden. Der Druck, sich in Bezug auf bereits bestehende Inhalte und Ästhetiken zu definieren wird verringert und die gesellschaftliche Positionierung der eigenen Arbeit erleichtert.

Constanze Fischbeck arbeitet als Bühnenbildnerin, Filmemacherin, Dozentin und Kuratorin. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist der Raum, die Gegenwart und der gesellschaftliche Kontext spezifischer Orte. In ihren filmischen Arbeiten verbindet sie Raumanalyse mit inszeniertem Diskurs und performativen sowie dokumentarischen Elementen. Ihre Arbeiten entstehen oft kollaborativ, u. a. mit Regisseuren/innen, Choreografen/innen und Künstler/innen. Seit 2007 lehrt sie als Dozentin, u.a. an der HBK Braunschweig, der HfG Karlsruhe, der RUB Bochum, der HMT Leipzig, der Universität Hildesheim und der UdK Berlin. Zum Wintersemester 2019/20 tritt sie die Professur für Szenografie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe an.

 

Emmanuel Mir: »Was braucht die Kunst?«

Bei der Gründung des Landesbüro für Bildende Kunst (LaB K) im Jahr 2017 war dies die erste zentrale Frage. Gemeint war natürlich: »Was brauchen die Künstler/innen?« Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, um den beruflichen Alltag der Kunstproduzent/innen zu verbessern, ohne in die künstlerischen Prozesse und Strategien einzugreifen? Bald stellte sich heraus, dass die Antworten auf diese Fragen viel politischer sind, als es zunächst erschien. In einem Moment, in dem die neoliberale Erzählung einer notwendigen Ökonomisierung des künstlerischen Subjekts ausgedient hat, soll und muss eine Einrichtung wie das LaB K mit seiner Arbeit auf diesen allgemeinen Wertewandel reagieren.

Emmanuel Mir (Düsseldorf) ist Kunstwissenschaftler und Autor – zuvor studierte er freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 2017 leitet er das Landesbüro für Bildende Kunst (LaB K) in NRW, das Beratung und Mentoring für Bildende Künstler/innen anbietet und darüber hinaus kulturpolitische Diskurse führt.
Emmanuel Mir lehrt an diversen Hochschulen, u.a. der Hochschule der bildenden Künste Essen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in kunstsoziologischen Themen, zuletzt veröffentlichte er die Monografien Petites Résistances – Rebellion als Kunstform (2013) sowie Kunst Unternehmen Kunst (2014).

Marcel Schumacher (Aachen) ist Kunsthistoriker und seit 2015 Leiter des Kunsthaus NRW in Kornelimünster, an das das LaB K angegliedert ist.  Von 2012 bis 2015 war er Kurator für Zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang in Essen, wo er u.a. die Ausstellungen Objekt StudioTracing ConfessionsVideorebellen und dis order präsentierte. Zuvor war er als freier Kurator, Autor und Dozent tätig. Seine Themenschwerpunkte liegen neben der Gegenwartskunst auf der Kunst der 1960er Jahre, den Interferenzen zwischen Kunst und Architektur, der Medienkunst, Künstlerreisen und Transkulturalität.

 

Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und die Josef Wund Stiftung

 

Veranstaltungsort:
Kunststiftung Baden-Württemberg
Gerokstraße 37
70184 Stuttgart

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