8 Fragen an...Axel J. Wieder

8 Fragen an Axel J. Wieder, Direktor von Index. The Swedish Contemporary Art Foundation

Axel J. Wieder ist seit September 2014 Direktor von Index. The Swedish Contemporary Art Foundation. Von 2012-2014 war er "Head of Programme and Curator of Exhibitions" am Arnolfini – Centre for Contemporary Arts in Bristol, UK. 2007 bis 2010 war er Künstlerischer Leiter des Künstlerhaus Stuttgart und im Jahr 2010 Visiting Curator bei Ludlow 38, Goethe-Institut New York. 1999 gründete er mit Jesko Fezer und Katja Reichard die Buchhandlung Pro qm in Berlin.

Das Interview wurde im Frühjahr 2014 geführt.

1. Du bist seit 2012 Kurator am Arnolfini in Bristol. Was genau zeichnet das Arnolfini als Institution aus?
Arnolfini ist das größte Zentrum für Gegenwartskunst im Südwesten Englands - wir zeigen ein internationales Ausstellungsprogramm, Filme, Konzerte, Theater und Tanz, dazu ein umfangreiches Vortragsprogramm und Vermittlungsaktivitäten für alle Altersstufen. Die Institution ist schwer mit Einrichtungen im deutschsprachigen Raum zu vergleichen. Wir haben etwa eine halbe Million Besucher im Jahr aus unterschiedlichsten Zielgruppen. Der Anspruch ist deshalb, ein ambitioniertes und präzises Programm mit lokalen Interessen und Debatten zu verbinden.

2. Was ist Deine Aufgabe und was in diesem Rahmen Deine größte Herausforderung?
Ich bin für das Ausstellungsprogramm und damit verbundene Veranstaltungen zuständig, dazu überschaue und koordiniere ich unsere gesamten Programmaktivitäten. Eine Herausforderung ist dabei der Umfang unseres Programms und die enge Einbindung von Vermittlung und Kommunikation. Damit alles funktioniert, braucht es sehr viel Organisation, und die Mittel sind natürlich auch immer knapper als gewünscht.

3. Was bietet das Haus mit seinem Schwerpunkt und räumlichen Möglichkeiten einem Kurator?
Vor allem bietet es einen Rahmen, um mit einem großartigen Publikum zu arbeiten. Man muss die Fixierung auf Zielgruppen und die Allmacht von Zuschauerzahlen sicherlich sehr vorsichtig sehen. Aber ich denke tatsächlich, dass Ausstellungen zu machen eben vor allem ein kommunikativer Prozess ist. Mit geht es als Kurator deshalb weniger um Möglichkeiten für mich, als um Projekte mit Künstlerinnen und Künstlern, die in einem bestimmten Rahmen, mit einer spezifischen Öffentlichkeit ein relevantes Ergebnis produzieren. Für Arnolfini ist dabei unser Anspruch, auch arbeitsintensive und aufwändige Projekte realisieren zu können, oft mit bereits etablierten Positionen, die unter einem neuen Licht erscheinen.

4. Wie sieht die Landschaft der zeitgenössischen Kunst in Großbritannien aus?
Einerseits ist die Kunstszene sehr auf London konzentriert – dort gibt es die großen Museen und die wichtigsten kommerziellen Galerien. Gerade deswegen sind aber auch die regionalen Einrichtungen sehr wichtig. Sie bieten auch außerhalb der Hauptstadt ein ambitioniertes Programm, das in manchen Fällen in London vielleicht gar nicht möglich wäre.

5. Wie sind die Förderstrukturen in England?
Die wichtigsten Förderungen kommen immer noch vom Arts Council, das die Kulturgelder der Regierung verwaltet. Wir beziehen etwa die Hälfte unserer Mittel hieraus. Dazu spielen Sponsoring und Stiftungen eine immer wichtigere Rolle, wie das ja auch global der Fall ist. Neben den Förderungen sind Kultureinrichtungen aber auch zunehmend dazu aufgefordert, selbst unternehmerisch tätig zu sein, durch Vermietungen oder kommerzielle Bereiche, wie Läden und Cafés, aber auch durch Partnerschaften, in denen bestimmte Leistungen abgerechnet werden, etwa mit Universitäten.

6. Wie siehst Du im Nachhinein Deine Zeit in Stuttgart? Was hat Dir die Arbeit hier gebracht?
Ich bin Stuttgart immer noch sehr verbunden, familiar und freundschaftlich. Ich mag die Stadt sehr gerne. Als Kurator war das Künstlerhaus ein idealer Ort, um konzentriert an einem Programm zu arbeiten. Diese Konzentration vermisse ich manchmal.

7. Was macht die Baden-Württembergische und im Speziellen die Stuttgarter Kunstszene aus?
Die Kulturszene ist in Stuttgart gut vernetzt und ermöglicht interdisziplinäres Zusammenarbeiten. Das liegt, glaube ich, auch an der Größe der Stadt – groß genug, um unterschiedlichen Ansätzen Platz zu bieten, gleichzeitig aber überschaubar. Ich fand es fantastisch, mit einer kleineren Einrichtung wie dem Künstlerhaus eng mit großen Institutionen wie beispielsweise der Staatsgalerie oder der Oper verbunden zu sein. Ich hatte zudem gute Kontakte in andere Städte der Region, von Karlsruhe über Freiburg bis Ulm. Und auch darüber hinaus sind die regionalen Möglichkeiten, durch die Nähe zur Schweiz und zu Frankreich sehr spannend.

8. Und was würdest Du ihr wünschen?
Manchmal vielleicht etwas mehr gelassenes Selbstbewusstsein.

(Mai 2014)

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