8 Fragen an... Martin Fritz

8 Fragen an Martin Fritz, seit dem Wintersemester 2016 /17 Rektor der Merz Akademie

Zum Wintersemester 2016/17 trat Martin Fritz sein Amt als Rektor der Merz Akademie in Stuttgart an. Nach einem Jurastudium arbeitete er als Organisator, Kurator und Projektleiter in den Bereichen Bildende Kunst, Theater und Film. Er war unter anderem bei der Wiedereröffnung des P.S.1 MoMa in New York planerisch beteiligt, Geschäftsführer des Kunstprojekts „In Between“ der Expo 2000 in Hannover und Generalkoordinator der europäischen Kunstbiennale „Manifesta 4“ in Frankfurt am Main.

1. Ihr beruflicher Werdegang ist beeindruckend und äußerst vielfältig – Sie arbeiteten u.a. in den Bereichen Bildende Kunst, Theater und Film. Welche Stationen würden Sie hervorheben bzw. waren / sind besonders prägend für Sie?

Trotz aller späteren Stationen sind wohl die Einstiegsjahre in Wien in den 1980er und frühen 1990er Jahren am prägendsten geblieben. Viele Künstler und Künstlerinnen, jede Menge Projektarbeit, viel Nachtleben, viel Diskurs und viele Freundschaften! Danach in die internationale Kunstwelt zu kommen war natürlich aufregend, doch die Saat wurde in den zehn Jahren davor gesät. In letzter Zeit sind mir dann die beim Festival der Regionen und bei der Wienwoche erlernten Allianzbildungen mit anderen gesellschaftlichen und sozialen Gruppen sehr wichtig geworden.

2. Was unterscheidet die Merz Akademie von anderen Kunsthochschulen bzw. Medienhochschulen und was war für Sie ausschlaggebend, sich für die Stelle des Rektors der Merz Akademie zu bewerben?

Neben der freien Trägerschaft ist wohl die starke Verschränkung von Theorie mit den Lehrschwerpunkten in Gestaltung, Kunst und Medien ein profilbildendes Kennzeichen der Merz Akademie. Kritisches Bewusstsein und hohe Aufmerksamkeit für Gegenwartsdiskurse gepaart mit Ausbildung auf technisch hohem Niveau gehen hier eine produktive Verbindung ein. Und das in einer Stadt mit exzellenter kultureller Infrastruktur. Lauter gute Gründe für eine Bewerbung!

3. Welche Rolle spielen Kunsthochschulen oder Hochschulen wie die Merz Akademie im kulturellen Leben der Stadt und dem Land Baden-Württemberg?

An die konkreten Verhältnisse in Stadt und Land taste ich mich gerade erst heran, doch generell gesehen sind Orte mit Universitäten und Hochschulen lebendig und intellektuell ergiebig. Den größten Unterschied machen die Menschen, die an diesen Orten studieren oder arbeiten. Daraus erwächst ein künstlerisches, politisches und soziales Potenzial, das sich in ihrer Umgebung auswirkt: In Kooperationen, Veranstaltungen, Gründungen, aber auch im Lebensstil, im Protest, in den Lokalen …

4. Sie kommen aus Wien nach Stuttgart. Wenn Sie die zwei Städte vergleichen: Wo sehen Sie die größten Unterschiede im Bereich der Kunst und Kultur?

Beides hat seine Herausforderungen: In Wien wirbt man oft immer noch mit dem Kaiser und Sisi. Wien ist sehr auf sich selbst bezogen und immer noch auf seine Großinstitutionen im Zentrum fixiert, obwohl sich die Stadt und die Kunstbegriffe rapide ausweiten. In Stuttgart hingegen grüßt auf der Autobahn das Parkhaus mit der riesigen Bosch-Werbung und auf dem Bahnhof dreht sich der Mercedes-Stern. Es scheint mir hier – trotz hauptstädtischer Parallelen wie Opernhaus, Staatsgalerie, Museum etc. – etwas rauer, dezentraler und irgendwie polyglotter zu sein als in Wien.

5. Im Jahr 2018 wird die Merz Akademie 100 Jahre alt. Die Lebens- und Arbeitsweise von Künstler/innen und Kreativschaffenden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, die auf die Studierenden zukommen und wie können die Lehrstätten / Akademien sie darauf vorbereiten?

Es feiert ja das gesamte Merz Bildungswerk Geburtstag, und damit auch ein ganzheitlich-gesellschaftlicher Anspruch. Die größte Herausforderung – zumindest im Bereich der Kunst - scheint mir momentan zu sein, wie es gelingen könnte, die Legitimation für einen häufig als „elitär“ empfundenen Betrieb und seine Institutionen auch für ein weiteres Jahrhundert zu gewährleisten und gesellschaftlich abzusichern. Wie gehen wir mit dem an vielen Orten drohenden Rechtsruck um? In den Lehrstätten / Akademien sollte wohl in Theorie und Praxis darauf vorbereitet werden, dass das Umfeld rauer werden könnte. Die Frage wird sein: Welche Rolle spielen wir in diesen Entwicklungen?

6. Das Kunstbüro ist eine Einrichtung zur Weiterbildung und Professionalisierung Bildender Künstler - die Frage, ob ein solches Angebot in die Lehrpläne der Kunsthochulen integriert werden sollte wird kontrovers diskutiert – was ist Ihre Meinung dazu?

Berufspraktische Themen nicht zu integrieren, wäre wohl wie wenn man AutomechanikerInnen nichts über Haftpflichtversicherungen erzählt. Ökonomie, Verwaltung und Steuerfragen sollten ohnehin StaatsbürgerInnenkunde sein. Es scheint aber häufig so, als wäre die Aufmerksamkeit dann am größten, wenn die Betreffenden bereits über konkrete praktische Erfahrungen (und Konflikterlebnisse) verfügen. Hier kommt neben den Hochschulen, den Alumniorganisationen und den Interessensvertretungen - bis hin zu den Gewerkschaften - eine wichtige Rolle zu.

7. Sie haben sich viel mit Kunst im öffentlichen Raum auseinandergesetzt – haben Sie bereits ein Lieblingswerk im öffentlichen Raum Stuttgarts? Wenn ja – welches und weshalb?

Da muss ich mich erst umsehen, aber Olaf Metzels „Stammheim“ wird schwer zu übertreffen sein!

8. Lieber Wiener Schnitzel oder Maultaschen?

Vor oder nach dem Curry?

(Juni 2016)

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